Märchenmix
Es waren einmal zwei Mädchen, die jeden Tag im Haushalt hart arbeiten mussten. Eines Tages fiel ihnen eine Spindel in den Brunnen und die Stiefmutter schimpfte fürchterlich. Sie hatten genug von der bösen Stiefmutter und gingen in den Wald. Das eine Mädchen trug einen roten Rock und eine Kappe in derselben Farbe. Zudem trug es einen Korb mit Brot und Kuchen bei sich. Das andere hatte schwarze Haare, ein weisses Gesicht und rote Backen. Im Wald jagte ein Schneiderlein ein Wildschwein und ein gestiefelter Kater rannte Rebhühnern nach. Als das Wildschwein gebändigt war, kam ein Wolf angeschlichen, und legte sich müde nieder. Als er schlief schnitt ihm das Schneiderlein den Bauch auf und befreite so einige Geissen.
Diese rannten freudig davon zu ihrer Mutter, nur eine einzige Geiss blieb in der Nähe. Diese tat sich an den Kräutern des Waldes gütlich und meckerte dann zufrieden „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt“. Die beiden Mädchen hatten Angst vor dem Wolf und liefen schnell davon. Dabei verloren sie den Korb mit den Esswaren und wollten sich in einem hohlen Baum verstecken. Dabei übersahen sie einen Zwerg, der hier gerade einen Sack voller Juwelen verstecken wollte. Aus Versehen standen sie ihm auf den langen Bart, der dadurch ein wenig kürzer wurde. Erschrocken sprangen sie davon, wobei sie von einer Eule verfolgt wurden. Diese erkannten sie als die verwandelte Hexe die in einem Schloss mitten im Walde wohnte.
Auf der Flucht gerieten die beiden Mädchen schliesslich in ein Dickicht und verloren die Orientierung. Plötzlich hörten sie eine singende Stimme, und sahen durch ein Loch im Geäst auf einen kleinen Platz, wo ein kleines Männchen um ein Feuer lief und immer das gleiche sang. Sie gingen bald wieder weiter und nach langem Umherirren kamen sie auf eine Lichtung, auf der ein Lebkuchenhaus stand. Weil sie grossen Hunger hatten nahm jede ein grosses Lebkuchenstück. Als gerade die Hexe aus dem Haus kam, um zu schauen was los war, sprangen vier musizierende Tiere aus dem Dickicht und gingen auf die Hexe los. Die Mädchen liefen davon so schnell sie konnten und blieben erst an einem Bach wieder stehen. Weil sie grossen Durst hatten, wollten sie davon trinken, doch das eine Mädchen wurde in ein Reh verwandelt. Das andere war verzweifelt, nahm aber seinen Gürtel, um so das Reh am Band zu führen. Nach einer Weile kamen sie endlich zum anderen Ende des Waldes.
Hinter dichtem Rosengewächs verbarg sich ein prächtiges Schloss. Viele Prinzen versuchten durch die dichten dornigen Rosen zum Schloss zu gelangen, um das Herz der Prinzessin zu erobern. Doch dort wartete ein weiteres Hindernis, denn die Prinzessin war in einem hohen Turm gefangen. Sie wurde von einer bösen Fee bewacht und man konnte nur an ihren langen Haaren in den Turm gelangen. Doch es hatte sich rumgesprochen, dass die Prinzessin angeblich nur ein Auge habe. Zudem war sie so stolz, dass ihr kein Freier gut genug war. Sie wies einen nach dem anderen ab und trieb noch dazu Spott mit ihnen. Ein schöner Prinz entdeckte das Mädchen mit dem Reh und verliebte sich in sie. Doch das Mädchen war schüchtern und verschwand wieder im Wald. Dabei war es aber viel zu hastig und verlor einen Schuh, den der Prinz sofort aufhob. Er stieg auf seinen Goldesel und machte sich auf die Suche nach dem Mädchen. Dabei träumte er schon vom herrlichen Hochzeitsessen, dass er mit seinem Wunder-Tisch veranstalten wird. Er erinnerte sich aber auch, dass sein Vater nur eine Schwiegertochter wollte, die Stroh zu Gold spinnen konnte. Ganz in seine Gedanken versunken bemerkte er nicht, dass die Eulenhexe aus dem Dickicht geflogen kam...
Unterdessen war die Nacht hereingebrochen. Das Mädchen gelangte zu einem Brunnen, neben dem zwei Torbogen standen. Neugierig lief es auf den einen zu und als es genau darunter stand, wurde es mit Gold übergossen. Zudem fielen die Sterne vom Himmel und verwandelten sich in Goldtaler. Das Mädchen sammelte alle ein und setzte sich an den Brunnen um auszuruhen. Das Reh bat um Aufmerksamkeit und stiess sie dabei so unglücklich an, dass alle Goldtaler in den Brunnen fielen. Das Mädchen weinte bitterlich, als plötzlich ein widerlicher Frosch auftauchte und zu sprechen begann. Er holte für sie jeden Taler wieder aus dem Brunnen heraus, jedoch musste sie ihn danach küssen. Angewidert warf sie den garstigen Frosch gegen die Brunnenwand, und so verwandelte er sich augenblicklich wieder in einen schönen Prinzen. Das Mädchen fiel vor Hunger und Schrecken in Ohnmacht.
Als sie wieder aufwachte gab der Prinz ihr einen Apfel zu essen. Doch dieser war vergiftet und tat sogleich seine Wirkung. Der Prinz war verzweifelt und sass weinend neben seiner Angebeteten. Da tauchten 7 kleine Männlein mit einem Glassarg auf und legten das Mädchen dort hinein. Der Prinz lud den Sarg auf seinen Goldesel und ging zu Fuss weiter. An einer Hand führte er seinen Esel, an der anderen das Reh seiner Angebeteten. Da es immer noch dunkel war, konnte er den Weg nicht richtig sehen. So dauerte es nicht lange bis er stolperte und der Glassarg vom Goldesel fiel. Als er sich besorgt über den zerstörten Glassarg bückte, setzte sich seine Angebetete darin auf. Ein grosser Schwarm Tauben schwirrte plötzlich um sie und verstellte dem Prinzen die Sicht. Als die Tauben wieder verschwunden waren, stand das Mädchen in einem wunderschönen goldenglitzernden Kleid da.
Die Freude war aber noch dadurch getrübt, dass das andere Mädchen immer noch ein Reh war. Da flog plötzlich ein Raubvogel nah an ihnen vorbei, er hatte den kleinen Zwerg mit den Juwelen in den Krallen. Der Prinz befreite den Armen aus seiner misslichen Lage, weshalb der Zwerg dem Prinzen die Juwelen schenkte. Er verriet ihnen zudem, wie sie das Reh zurück verwandeln konnten. Sie benötigten eine seltene rote Blume mit einem grossen Tautropfen in der Mitte. Lange Zeit liefen sie über Felder und Wiesen, doch sie konnten diese Blume nicht finden. Da begegneten Ihnen einige Raben, der eine trug einen goldenen Fingerring, ein anderer die gesuchte Blume im Schnabel. Sobald das Reh die Blütenblätter verspeist hatte, wurde es wieder in das Mädchen mit dem roten Rock und der roten Kappe verwandelt. Der Prinz brachte beide auf’s Schloss, wo sie noch lange glücklich lebten. Der bösen Stiefmutter wurden die Augen ausgestochen, danach musste sie mit Pech übergossen und feuerheissen Pantoffeln tanzen, später wurde sie im Ofen geröstet und zuletzt auf dem Scheiterhaufen verbrannt.