Residenzschloss Rastatt
Dieses prachtvolle Barockschloss wurde von Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, dem sogenannten Türken-Louis, in Auftrag gegeben. Er konnte sein Luxusschloss jedoch nicht lange geniessen, denn er starb schon wenige Jahre nach Vollendung des Baus. Der Bau dieses Schlosses wurde nur möglich dank des Geldes seiner reichen Frau, Sybilla Augusta von Sachsen-Lauenburg. Diese regierte nach seinem Tod bis der älteste Sohn Ludwig Georg volljährig war, insgesamt 20 Jahre lang. Sie beauftragte auch den Innenausbau und die Bemalung der Schlosskirche, wobei sie sich im Deckenfresko selbst verewigen liess.
Schloss Favorite Rastatt
Schloss Favorite diente der Markgräfin Sibylla Augusta als ihre Sommerresidenz. Auch ihr ältester Sohn Ludwig Georg hielt sich oft hier auf und ging seiner Lieblings-Beschäftigung, der Jagd nach. Dieses Schloss steckt voller Überraschungen, vom Baumaterial für die Fassade über die Gestaltung der Wände bis hin zu den Kabinetten. Zudem verbirgt es einen besonders wertvollen Schatz – eine einzigartige Sammlung von Porzellan und Fayencen.
Zunächst gelangt man in die Sala terrena, in die ebenerdige Halle. Früher war es möglich, mit der Kutsche in diesen Raum zu fahren, so dass die Herrschaften im Schutze des Gebäudes aussteigen konnten. Ein grosser Leuchter aus teilweise farbigem, böhmischem Glas zierte einst diesen Raum. An den Wänden fallen blau bemalte Kacheln auf, die wie Delfter Kacheln aussehen, aber Imitationen sind. Diese begegnen uns überall im Schloss.
Nun betreten wir die Schauküche von Sybilla Augusta. Wie der Name schon sagt, diente diese nicht zum Kochen sondern zum Ausstellen von Porzellan und Fayencen. Zur sehr umfangreichen Sammlungen gehören auch die sogenannten „Schaugerichte“. Dabei handelt es sich um Porzellanschüsseln in Form von Gemüse oder Tieren der Jagd, vom übergrossen Kohlkopf bis hin zum Kopf eines Wildschweins.
Im ersten Stock befindet sich die Beletage, die auf der einen Seite aus den Räumen von Augusta Sibylla besteht, auf der anderen Seite schliessen sich die Räume ihres Sohnes Ludwig Georg an. Die Markgräfin verfügte über ein Spiegel-Kabinett, das besonders herrlich ausgestattet ist. Speziell sind die sogenannten Kostümbilder, die Sybilla Augusta und ihren Sohn in verschiedenen Verkleidungen zeigen, ein Hinweis auf häufig gefeierte Kostümfeste.
In den Räumen des Sohnes kann man das florentinische Kabinett bestaunen. Ursprünglich war es als Lackkabinett vorgesehen. Doch auf einer Reise nach Florenz lernte die Markgräfin die Steinschneidekunst kennen und war so sehr davon angetan, dass sie gleich eine Bestellung aufgab. So entstand eine in Europa einzigartige Raumausstattung, bestehend aus verschiedenen Materialien. Neben Pietra-Dura-Tafeln wurden auch Schiefer mit Blumen aus Perlmutt oder Holztafeln mit Lackmalerei verwendet.
Die Böden beider Kabinette bestehen aus dem dazu wenig geeigneten Stuckmarmor. Dieser wurde auch an den Wänden und Balustraden in der Eingangshalle, der Sala terrena, verwendet.